Willkommen bei den Sch’tis (Bienvenue chez les Ch’tis)

Filminfo
Originaltitel: , , Regie: Drehbuch: , Darsteller_innen: , , , , , , Produktion: Kamera: Schnitt: Musik: Spieldauer: min Kinostart: ,

Unsere Wertung: ★★★★☆

Eure Wertung:
3,92 von 5 Punkten, basierend auf 62 abgegebenen Stimmen.

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Inhalt

Der Postdirektor Philippe (Kad Merad) ist aus der Provence nach Nordfrankreich strafversetzt worden, in eine Region, die ihn nicht nur klimatisch sondern vor allem sprachlich vor ungeahnte Aufgaben stellt. Aber nicht nur die Sprache ist hier seltsam, es gibt so einige Vorurteile gegenüber den “Nordländern” und die werden auch fleißig gepflegt.

Welche Abenteuer er im Land der “Barbaren” erlebt und wie es dazu kommt, dass der sonnenverwöhnte Provencale an seiner neuen Umgebung sogar Gefallen findet wird auf so komische Art erzählt, das der Film mittlerweile zum erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten geworden ist.

 

Kritik

Postbeamter Philippe (Kad Merad) glaubt, dass der Mann, den er gerade angefahren hat, sich den Kiefer gebrochen haben muss, so schwer ist der zu verstehen. Doch Antoines (Dany Boon) Kiefer ist in Ordnung – er spricht nur eben anders, wie viele in seiner Gegend: Ch’timi.

In Frankreich hat die Auseinandersetzung mit dem Kino-Phänomen Bienvenue chez les Ch’tis auch zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen (Sprach-) Geschichte geführt. Der “Ch’timi” genannte Dialekt der Menschen aus dem Norden Frankreichs ist einer von einstmals vielen verschiedenen im Norden und Süden, in den Bergen und den Tälern der Republik gesprochenen. Der Zentralismus in der Politik, Kultur und die damit verbundenen Standards auch in der Sprache haben zu einer Abwertung dieser Sprachvarianten geführt. Die Dialekte und damit auch das Ch’timi gelten gegenüber dem Pariser Französisch als minderwertig. Wie auch alle anderen Abweichungen vom gehobenen Mittelklassen-Französisch sind sie in gehobenen Milieus “nicht vorhanden”. Eine Komödie, die sich lustigmacht über einen solche regionale Sprach-Varietät und ihre Komik auf Kosten von deren Sprecher_innen entwickelt, könnte auf plumpe Weise und ohne Schwierigkeiten die Mehrheit über die Minderheit lachen lassen. Aber hier die Entwarnung: Willkommen bei den Schtis ist anders.

Es geht nicht vordergründig um Sprache und Dialekt sondern um Gegensätze ganz anderer Art. Da ist der Postbeamte Philippe, der in seinem hübschen südfranzösischen Städtchen Direktor eines Postamtes ist und mit Frau und Sohn in einem schönen Haus lebt und so alle Klischees einer mittelständischen französischen Familie erfüllt. Man isst mit Freunden zu Hause und trinkt guten Wein und unterhält sich kultiviert. Aber es könnte natürlich immer noch ein bischen besser sein.

Und so denkt seine Frau, dass es noch ein paar hübschere Städte in der Provence gäbe, in denen es sich noch besser leben ließe. Es geht ums Karrieremachen um jeden Preis, auch den der Lächerlichkeit. Philippe verspielt seine Chance in bester Slapstick-Manier und wird dafür bestraft, mit der Höchststrafe: Er muss in den Norden, den kalten, regnerischen Norden zu den “Barbaren”. Im alten Griechenland nannte man so die Anderssprachigen oder wörtlich übersetzt die “Stammler”.

Natürlich werden zu Beginn alle Vorurteile über das Wetter, das Grau der Landschaft, die Unfreundlichkeit der Menschen und die Unverständlichkeit ihrer Sprache erfüllt. Philippe wird mit ein Kultur konfrontiert, die ihm in ihrer Bodenständigkeit und Direktheit bislang unbekannt war. Er findet Gefallen am Umgang mit seinen Kollegen, der nicht durch Hierarchien sondern Ehrlichkeit und Einfachheit geprägt ist. Die Trennung von seiner südfranzösischen Heimat verbessert auch das Verhältnis zu seiner Frau, die endlich einmal das Gefühl hat, er würde ein Opfer für sie bringen. Es fällt ihm zunehmend schwerer seiner daheim gebliebenen Frau und den Freunden die Klischees über den Norden zu bestätigen und seine neuen Freunde zu verleugnen. Dieser Konflikt bricht offen aus, als seine Frau ihn besuchen will um einen möglichen Umzug der Familie in den Norden zu arrangieren…

Auch wenn die Sprache in diesem Film eine wichtige Rolle spielt, man muss kein Französisch können um die Komik des Gezeigten zu verstehen. Auch wer wie ich den Film im Original mit englischen Untertitel auf einem kleinen Flugzeug-Bildschirm gesehen hat, kann herzhaft lachen – nicht über die Schtis sondern mit ihnen, kann sich amüsieren über die Vorurteile und ihre Nichtbestätigung.

Henry Kaiser

 

Presse

“Dies ist ein Film, der Mut macht. Ein komischer und vitaler Film, in dem die reale Welt nicht ausgeklammert wird, sondern in der sich gegensätzliche soziale Milieus aus unterschiedlichen Regionen treffen – in einer Gesellschaft, die sich immer weniger solidarisch verhält. Er schafft es, der französischen Elite eine volkstümliche Kultur zu zeigen, die nicht vom Fernsehen verdummt ist.” (Olivier Mongin)

“Boon ist mit seiner charmanten Sommerkomödie zweifellos auch ein verkappter Werbefilm für Nord-Pas de Calais gelungen.” (cineman.ch)

“Allerdings setzt schon das französische Original allzu oft auf einen wenig subtilen Humor, auf dass der Brückenschlag zwischen Nord und Süd auch überall ankomme.” (Jens Hinrichsen, Film-dienst)

 

Auszeichnungen

COL•COA 2008: Audience Award

 

Trailer

Deutsch

Französisch


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