Schon wieder Audrey Tautou oder: Ein Komödienmacher meint es ernst.

© Capelight Pictures

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Man könnte Regisseur Pierre Salvadori sicher einiges vorwerfen, wenn man sich seine zwei letzten Filme – „Liebe um jeden Preis“ und „Bezaubernde Lügen“ anschaut: Beide sind mit Audrey Tautou in der Hauptrolle (an sich nichts Schlechtes, aber auf Dauer vielleicht doch ein bisschen zu sehr festgelegt), beide geben sich als romantische Liebeskomödie, beide erzählen eine denkbar unglaubwürdige Geschichte. Aufregend geht anders.

Wenn da nur nicht diese Ernsthaftigkeit zu spüren wäre, mit der Salvadori seinen aktuellen Film „Bezaubernde Lügen“ geschrieben und inszeniert hat. Eine Haltung, die durchaus Anerkennung verdient, bedeuten doch (Liebes-)Komödien heute vor allem eines: aneinandergereihte Gags für das Schenkelklopfer-Massenpublikum und Romantik-Kitsch für die Schmonzetten-Liebhaber. Die Figuren werden da schnell mal zu bloßen Schablonen verflacht, um den nächsten Lacher vorzubereiten. Salvadori tappt nicht in diese Falle, obwohl die Story durchaus einige davon parat hält.

Zunächst einmal scheint die Geschichte von „Bezaubernde Lügen“ nicht gerade aus dem Leben gegriffen: Da ist die 30-jährige Émilie (Audrey Tautou), die ihrer deprimierten Mutter Maddy (Nathalie Baye) helfen will und ihr einen anonymen Liebesbrief schickt, der eigentlich für sie selbst bestimmt war. Der Mutter gefällt der Brief so sehr, dass sie sehnsüchtig auf weitere wartet. Was Émilie nicht weiß: der Brief stammt eigentlich von ihrem Angestellten Jean (Sami Bouajila)… Was nach konstruiertem Verwechslungs-Kitsch klingt, kann uns Salvadori doch erstaunlich glaubhaft machen. Das liegt vor allem daran, dass er in seinen drei Hauptfiguren menschliche Tiefen auslotet, die in vergleichbaren Genre-Vertretern oft noch nicht einmal angedeutet werden. In „Bezaubernde Lügen“ aber setzen unbewusste Komplexe, Mutter-Tochter-Rivalitäten und nicht verarbeitete Enttäuschungen die niedrigsten der menschlichen Verhaltensweisen frei. Egoismus, Zynismus, Intriganz – bei Salvadori sind auch die liebenswürdigsten Film-Protagonisten nicht davor gefeit, mal das Arschloch zu sein. Erfreulich, denn solche Brüche nehmen der Geschichte ein wenig Zuckerwatte aus den Fahnen, wenigstens bis zum Ende des Films.

Mit „Bezaubernde Lügen“ (die korrekte Übersetzung des französischen Titels wäre mit „Wahre Lügen“ sicherlich treffender) hat Pierre Salvadori zwar kein neues Kapitel geschrieben in der Geschichte der Komödie, wohl aber hat er sie nicht verraten. Der Preis dafür war jedoch hoch – ein wenig mehr Leichtigkeit und Ironie hätten dem Film sicher über einige Längen hinweg geholfen.

Anne Kunzke

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