Schluss mit lustig! Warum „Ziemlich beste Freunde“ keinen Aufwind für die französische Filmindustrie bringt

Erik ist Filmliebhaber und hat in Wahrheit natürlich kein gelbes flauschiges Fell. Ab sofort wird er auf FranzösischerFilm.de monatlich zu Themen schreiben, die sich rund um das französische Kino und die weite französische Kultur(landschaft) bewegen.

Es reicht! Ich, als Liebhaber des französischen Kinos dürfte das eigentlich nicht sagen, aber hier gern nochmal: Es reicht! Der nicht enden wollende Hype um den Wohlfühlkassenschlager „Ziemlich beste Freunde“ ist nicht mehr auszuhalten. Es ist schon schwer nachvollziehbar, wie ein durchaus solider, aber letztendlich nur sehr netter Film als „absolutes Meisterwerk“ betitelt wird. Noch unverständlicher jedoch sind mir jene Stimmen, die in dem Film einen Heilsbringer für das französische Kino sehen. Als ob alle Menschen, die französische Filme immer gemieden haben (zuviel Gequatsche, zu intellektuell, zu traurig!), plötzlich bekehrt würden und den Arthouse-Kinos zukünftig die Bude einrennen!

Denn eines ist doch auffällig: Viele, die den Film hochjubeln, betonen immer wieder, wie „unfranzösisch“ er eigentlich sei. Um nicht zu sagen, so „amerikanisch“. Nun habe ich überhaupt nichts gegen amerikanisches Kino und schon gar nichts gegen Unterhaltungskino (man ist ja auch mal müde). Aber wieso sollte ich französisches Kino dafür gut finden, dass es so ist, wie ein anderes Kino? Nein, das ist kein Lob für die französische Filmlandschaft! Das ist in etwa so, als würde man sagen: „Fahr‘ mal nach Kroatien, da sieht‘s aus wie in der Toskana“. Das, was scheinbar so viele an „Ziemlich beste Freunde“ mögen, ist nicht das, wofür man europäische Filme im Allgemeinen mag. Oder anders gesagt: „Ziemlich beste Freunde“ wird dafür gemocht, dass er  französische Stärken für sich behält. Das ist gepflegte Gesichtslosigkeit.

Kürzlich beschwerte sich eine Freundin darüber, dass Protagonist Driss zu „Earth, Wind and Fire“ tanzt. Das sei keine Banlieue-Musik, meinte sie. Was genau „Banlieue-Musik“ ist, wusste sie zwar auch nicht, aber dafür machte sie mich noch auf ein anderes Problem aufmerksam. Eigentlich ist das doch schön, wenn der Junge aus dem Ghetto entgegen aller Erwartungen keine Ghetto-Musik hört. Man könnte sogar meinen, der Film arbeitet Stereotypen entgegen. Doch „Ziemlich beste Freunde“ gibt sich keinesfalls sozialkritisch, eher betont politisch korrekt und bleibt dabei immer so weichgespült, dass man am Ende noch beschwingt das Kino verlassen kann.

Einer, der das auch gut kann, ist Will Smith. Zumindest hat er das in der rührseligen Verfilmung einer ebenfalls wahren Geschichte – „Das Streben nach Glück“ – wunderbar bewiesen. Es würde mich nicht wundern, wenn er bald die Rechte an „Ziemlich beste Freunde“ erwirbt und dann ein Remake produziert. Womit wir wieder bei Hollywood wären.

Erik

About Gast