“Lieber versaue ich einen Film auf großartige Weise, als einen ‘netten’ Film zu machen!” – Interview mit Guillaume Nicloux zu “Valley of Love”

Bild: Anne

Guillaume Nicloux Bild: Anne Kunzke

Ein Plädoyer gegen künstlerische Gefallsucht. Regisseur Guillaume Nicloux spricht über seinen Antrieb Filme zu drehen und über die Entstehung von “Valley of Love“.

Isabelle Huppert und Gérard Depardieu hatten seit Maurice Pialats „Loulou“ 1980 keinen Film mehr zusammen gedreht. Wenn man sie nach dem „Warum“ fragt, bekommt man ein ergebenes Schmunzeln als Antwort. Aber das ist auch nicht mehr wichtig, denn Huppert und Depardieu wurden im Death Valley in den USA nach 33 Jahren wieder zusammengeführt um nach ihrem toten Sohn zu suchen. Laut Drehbuch. Aber das ist nicht immer leicht auseinanderzuhalten, denn die beiden Protagonisten tragen zudem dieselben Namen – Isabelle und Gérard.

Valley of Love“ (ab dem 21. Januar im Kino) ist der aktuelle Film von Guillaume Nicloux („Die Nonne“, „Die Entführung des Michel Houellebecq“) und wurde bisher von Kritikern und Publikum (Er lief 2015 in Cannes) sowohl skeptisch als auch euphorisch aufgenommen. Der Film basiert auf einem persönlichen Erlebnis des Regisseurs im Death Valley, zu dem er sich in der Öffentlichkeit jedoch nicht weiter äußert. Es muss jedoch so prägend gewesen sein, dass Nicloux das „Tal des Todes“ in ein „Tal der Liebe“ verwandelte.

© 2016 Concorde Filmverleih GmbH

© 2016 Concorde Filmverleih GmbH

Ich traf den Regisseur und Autor (Ja, Autorenkino!) zu einem Interview in Berlin, als er „Valley of Love“ gemeinsam mit Isabelle Huppert dem deutschen Publikum vorstellte. Er ist höflich, wirkt dabei sehr nachdenklich und eher verschlossen. Und doch stellt er mir zuerst eine Frage:

Guillaume Nicloux: Wann haben Sie denn den Film gesehen?

FranzösischerFilm.de: Vor knapp zwei Wochen. Wieso interessiert Sie das? Gibt es für Sie da einen Unterschied, je nachdem, wie lange es her ist?

G.N.: Auf jeden Fall!

FF.: Und worin besteht der?

G.N.: Das weiß ich nicht genau.

FF.: Ich würde sagen, wenn ich darüber nachdenke, dann bleibt jetzt, knapp zwei Wochen nach dem ersten Anschauen, ein Gefühl. Bilder auch. Vor allem aber ein sehr vages Gefühl. Das passiert mir nicht unbedingt häufig nach Filmen. Selbst wenn ich sie mochte.

G.N.: Natürlich.

FF.: Sie spielen damit schon auf eine meiner Fragen an. Ich hatte den Eindruck, Ihren Film sollte man eher mit dem Herzen und nicht mit dem Verstand sehen. Sind sie mit dieser Metapher einverstanden?

© 2016 Concorde Filmverleih GmbH

© 2016 Concorde Filmverleih GmbH

G.N.: Ja. So hab ich ihn auch gemacht. Ich glaube es passiert nicht oft, dass man einen Film macht und sich dabei völlig freimacht von den rationalen Methoden, die ja an die filmischen Strukturen eines Filmes gebunden sind, an den Aufbau eines Drehbuchs. Aber genau daher kommt letztendlich dieses nicht greifbare Gefühl, diese Emotion der Verstörtheit; der eigenartige Zustand, wenn man aus einem Film herauskommt, der noch nach der Vorführung bleibt. Man kann das nicht intellektualisieren, es aktiviert in uns ein nachhallendes Gefühl, das auf Reisen geht. Ich selbst mag das sehr als Zuschauer, wenn ein Film andauert – nicht für das Verständnis, sondern für das Empfinden. Und ja, in diesem Fall spricht der Film das Herz an bzw. den Bauch, auf jeden Fall lässt es sich nicht von der Logik einfangen. So habe ich den Film gemacht.

No Responses

Kommentar verfassen