Krieg der Knöpfe – Französischerfilm.de schickte drei Kritiker ins Kino!

© Delphi Filmverleih

Nachdem letztes Jahr das Copyright auf das Buch “Krieg der Knöpfe” ausgelaufen ist, gibt es in Frankreich gleich zwei Neuverfilmungen des Kinderbuchs von Louis Pergaud aus dem Jahr 1912. Die Fassung von Christophe Barratier, auf Französisch “La nouvelle Guerre des Boutons”, wird nun bald auch in Deutschland anlaufen (Frühjahr 2012). Französischerfilm.de schickte drei Kritiker ins Kino.

Isolde, Lektorin, für die Großelterngeneration:
“Sehenswert!”

Barratier fügt der Coming-of-Age-Geschichte eine zweite Dimension hinzu, indem er die Kinderbandengeschichte ins Südfrankreich der Kriegswirren vom Sommer 1944 versetzt. Der Hass der Erwachsenen überträgt sich auf die Kinder aus den verfeindeten Dörfern Longueverne und Velrans, die einander mit “kindlichen” Mitteln bekämpfen.
“Krieg der Knöpfe” benutzt das Spannungsmittel eines „Krieges“ zwischen Schulkindern, um für den Frieden zu werben. Das war vor dem Ersten Weltkrieg, als die literarische Vorlage erschien, eine höchst aktuelle Botschaft.

Die Verlagerung der Handlung in den Zweiten Weltkrieg überfrachtet den Stoff des Kinderbuchklassikers leider ein wenig, auch wenn seine Friedensbotschaft dadurch für die Gegenwart aktualisiert wurde.
Indes, die erste Verfilmung von 1962, der Kultfilm von Yves Robert, ist weiterhin unübertroffen. Dieser Film wurde übrigens auch in der ehemaligen DDR gezeigt und stärkte dort die “Aufmüpfigkeit” vieler Andersdenkender und -fühlender.

Die Neuverfilmung ist trotz mancher Klischees ansehenswert, berührend, spannend und sensibel besetzt. Was “Krieg der Knöpfe” erzählt, entspricht glaubwürdig dem historischen Bewusstsein der nicht mehr ganz jungen, in Ost und West um 1968 herum geprägten Generation.

Léon (*), Schüler 3. Klasse, für die Kindergeneration:
“Richtig gut!”

Beim Film “Krieg der Knöpfe” geht es um zwei Dörfer, die eigentlich Frieden geschlossen hatten, aber die Kinder aus den Dörfern haben ganz doll gegeneinander gekämpft. Die Geschichte spielt in der Zeit, als meine Oma Kind war, in den 40-er Jahren, damals war Krieg in Europa. Die Dörfer sind in Frankreich, und dort war ein Mädchen im Dorf versteckt, Violette, die aber eigentlich ganz anders hieß. Sie wurde dort versteckt, weil die Polizisten sie schnappen wollten, weil sie mit ihren Eltern aus Berlin geflohen ist, weil sie sonst in Berlin verhungern würden oder so, denn sie waren Juden. Das Wort kenne ich von den Stolpersteinen in Berlin, die für diese Menschen im Bürgersteig sind. Und da hat eine Tante, die so Nähsachen verkauft, Violette versteckt. Sie haben im Film immer Angst, dass es jemand rausfiindet.

Der Film heißt “Der Krieg der Knöpfe”, weil die Jungs sich immer Knöpfe abgeschnitten haben, um zu wissen, wer gesiegt hat. Das Kämpfen habe ich im Film als überzeugend empfunden. Und dann wird Violette ganz mies verraten.

Ich fand es gut, den Film im Kino zu gucken, weil die Leinwand so groß war und weil auch andere Kinder mit dabei waren. Wir haben viel gelacht. Vor allen Dingen, als ein Polizist gefragt hat: “Ist einer von euch Violette?”, da haben alle Mädchen nacheinander gesagt: “Ich” und “ich” und “ich auch” und so. Da fragte der Polizist: “Wohnt jemand im Haus von der Verkäuferin der Nähsachen?”, da sagten sie: “Ich wohne da” und die Zweite: “Ich auch!” und die Nächste “Ich auch!” und so weiter. Da konnte niemand Violette finden und sie ist abgehauen und wurde nicht von den Bösen geschnappt.

Der Film war richtig gut. Petit Gibus hat mir am besten gefallen, weil er so witzig war.

Caroline, Dolmetscherin, für die Elterngeneration:
“Spannend und wichtig”

Als die kleine Violette von der französischen Miliz gesucht wird, rückt León ganz nah an mich heran. Die Stimmung im Kino ist zum Zerreißen gespannt. Umso größer die Erleichterung der kleinen Zuschauer im Saal, als die Einwohner der beiden Dörfer, deren Kinder seit Generationen im Kampf miteinander liegen, das Mädchen gemeinsam retten.

Die Verlagerung der Handlung von Christian Barratiers Film “Krieg der Knöpfe” in die Zeit der deutschen Besatzung macht aus dem Stoff, den ich bislang leider nur als Buch kannte, eine Gesprächsgrundlage über die braunen Jahre, aber ohne diese in den Vordergrund zu drängen. Ich fand es gut, dass der Typus des grobschlächtigen, bösen Nazischergen im Film nicht vorkam, der als Stereotyp die französischen Medien so viele Jahrzehnte beherrschte. Dafür trat aber ein französischer Schwächling, der in der Schule bereits ein Versager gewesen war, gemeinsam mit einem anderen Zurückgewiesenen in Erscheinung und rächte sich für selbst erlittene Ausgrenzungen, indem er Befugnisse ausnutzte, die ihm die “neue Zeit” zuteil werden ließ. Das ist etwas einfach gestrickt, aber immerhin wurde so das Klischee vom “raus!” brüllenden deutschen Uniformträger auf sehr ehrliche Weise vermieden, indem auch etwas von der französischen “Collaboration” erzählt wurde.

Die französische Beteiligung an der Deportation von Juden und anderen Minderheiten wurde in Frankreich jahrzehntelang verdrängt, was auch der letzte Woche angelaufene Film “Sarahs Schlüssel” von Gilles Paquet-Brenner thematisiert. Erst 1995 hat sich der damalige französische Präsident Jacques Chirac für die Mitwirkung Frankreichs an der Deportation entschuldigt.

Dies für Kinder indirekt aufbereitet zu haben ist der große Verdienst von Barratiers Film. Liebevoll wurden die Darsteller ausgesucht, ebenso Drehorte und Ausstattung. Ich fand den Film ebenso spannend wie mein kleiner Begleiter, der immer dann ein Buch oder einen Film für gut befindet, wenn “viele Kämpfchen” darin vorkommen. Die Kämpfe zwischen den Kindern, der eigentliche Plot des verfilmten Romans, haben unserem Lütten nur ein bisschen Angst gemacht, als die großen Jungs des einen Dorfes ihren Gefangenen drohen, ihnen empfindliche Körperteile abzuschneiden, wobei sie sich aber am Ende dann doch mit den Knöpfen begnügen.

Auf Isoldes Empfehlung hin werden wir uns auf jeden Fall aber auch noch die alte Fassung ansehen.

Caroline Elias

2.594 Aufrufe

Kommentar verfassen