Kleine wahre Lügen (Les petits mouchoirs)

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Inhalt

Max (François Cluzet) und seine Frau Véronique (Valérie Bonneton) laden jedes Jahr ihre Freunde in ihr Strandhaus, um zusammen Antoine’s (Laurent Lafitte) Geburtstag zu feiern und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Ihr gemeinsamer Freund Ludo (Jean Dujardin) wird kurz davor in einem Unfall mit seineme Motoroller schwer verletzt. Trotzdem beschließen die Freunde ihr alljährliches Treffen nicht ausfallen zu lassen, doch diesmal ist alles anders, Masken fallen, Lügen und Heucheleien kommen ans Licht…

Kritik

Ein Mann, vielleicht Anfang 40, dröhnt sich in einem Nachtclub mit Drogen zu. Man folgt ihm, sieht, wie er krampfhaft versucht Spaß zu haben. Man schämt sich sofort; für ihn und die Situation. Ludo (Jean Dujardin) ist dieser Mann in einem feinen, dunklen Anzug, der nicht älter werden will, ähnlich wie alternde (erfolglose) Popstars. Solche Menschen sind irgendwie immer peinlich. Doch dann verunglückt Ludo schwer. Seine Freunde besuchen ihn im Krankenhaus. Schnell wird klar, alle verbergen etwas. Die Körpersprache sagt mehr als tausend Worte. Etwas, was man als Zuschauer schnell begreift. Blicke und Gesten sprechen Bände und man fragt sich, wer denn eigentlich mal mit wem was hatte oder hat und wer es weiß, oder lieber nicht wissen sollte. Es ist eine ständige Mischung aus Fremdschämen und Traurigkeit für jede einzelne Figur. Denn im Leben haben sie wahrlich nichts zu lachen. Denkt man gerade noch, der oder die ist als einzige noch relativ ‘normal’, so wird man in der nächsten Minute eines besseren belehrt. Dies waren dann wohl doch nur Lichtblicke des jeweiligen Charakters.

Da ist Antoine, der nicht über die Trennung seiner Ex-Freundin hinwegkommt und damit alle nervt. Vincent und Isa sind seit frühen Tagen verheiratet, haben einen Sohn und gute Jobs, doch glücklich sind sie nicht. Isa holt sich heimlich den Kick beim Cybersex, Vincent hat seine Zuneigung für seinen väterlichen Freund Max entdeckt. Dieser ist erfolgreicher Restaurantbesitzer, immer im Stress und immer verspannt, und dies noch mehr, als er von der Schwärmerei erfährt; seine Frau Vero, eine Ökotussi mit kaltem Herz. Éric steigt jeder jungen Frau nach, die nicht bei drei auf dem Baum ist und seine Freundin Léa akzeptiert das. Zuletzt ist da Marie (Marion Cotillard). Sie hat Bindungsängste und hangelt sich von einem One Night Stand in den nächsten. Alle scheinen dringend Therapie-bedürftig, denn die Schwächen, über die man anfangs noch schmunzelt, sind wirkliche Probleme.

Nun bleibt die Frage, ob sie trotzdem wie jeden Sommer in Max’ Ferienhaus zum Cap Ferret am Atlantik oder beim schwerverletzten Ludo bleiben. Die Antwort ist schnell gefunden, die Sachen gepackt und es geht los in den Urlaub. Während man als Zuschauer noch überlegt, wie man sich selbst entschieden hätte, führt uns Guillaume Canet schonungslos die Fehler eines jeden Einzelnen innerhalb der Clique vor Augen. Und allmählich fragt man sich, wie um Himmels Willen diese Freunde schon all die Jahre vorher ihren Urlaub zusammen haben verbringen können. Doch der Regisseur lässt einem keine Zeit, darüber nachzudenken. Der Soundtrack und die Bilder dieser wunderschönen Natur tun ihr Übriges dazu. Da gerät sogar der schwerverletzte Ludo in Vergessenheit, nicht nur bei den Freunden.
Es ist nur logisch, dass es irgendwann zum großen Knall kommen muss. Bis dahin macht der Zuschauer ein ständiges Wechselbad der Gefühle durch: vom Schmunzeln zur Traurigkeit, vom Schenkelklopfer zum Mitleid. Canet legt dabei ein ordentliches Tempo vor, weshalb es einen nicht stören sollte, wenn so mancher Kinogänger nicht den schnellen und vor allem scharfen Geist besitzt diesen Wechsel mitzubekommen, dennoch herzhaft lacht, obwohl es bei den gerade gesagten Worten völlig fehl am Platz ist.

„Kleine wahre Lügen“ ist ein besonderer Film. Man lacht und weint mit den Freunden. Wo vorher eine gewisse Distanz herrschte, fühlt man sich ihnen am Ende doch ganz nah. Man versteht sie plötzlich, ist Teil dieser Clique und hofft insgeheim, dass man selbst nicht so ist. Es ist ein Film über wahre Freundschaft und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Dass jeder der Freunde ihn am Ende für sich findet, ist leider etwas vorhersehbar. Trotzdem ist es großartig ihnen dabei zuzusehen. Guillaume Canet hat einen Weltverbesserungsfilm geschaffen: noch während der Abspann läuft und die Tränen kullern, möchte man sofort seinen engsten Freunden sagen, was man für sie empfindet. Mit Liebe sieht eben alles einfach viel besser und schöner aus, nicht nur die winzigen Unstimmigkeiten so mancher Nebenfigur im Film, auch die Schwächen der eigenen Freunde.

Maria Kunzke

Presse

 

Auszeichnungen

Les petits mouchoirs war der zweiterfolgreichste Film in Frankreich 2010. Mehr als 5.3 Mio Menschen haben ihn hier gesehen, damit war er erfolgreicher als der US-Hit Inception.

Trailer

Kleine wahre Lügen (Les petits mouchoirs)geschrieben von hk average rating 3.7/5 - 20 Besucherbewertungen

Ein Kommentar

  1. briandb82 13. Juli 2011

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