“Ich bin mein strengster Kritiker” – Interview mit Regisseur Matthias Luthardt

Mathias Luhmann ((c) IFB 2009, Hans Faun)

Matthias Luthardt (c) IFB 2009, Hans Faun

Einige Stunden vor der letzten Filmvorführung der Sektion Perspektive Deutsches Kino spricht der Regisseur Matthias Luthardt über seine Rolle als Jurypräsident des Preises Dialogue en Perspective und über die Ursprünge seiner Kinoleidenschaft, die stark mit Frankreich zusammenhängen. Im Jahre 2005 gewann er für seinen Film Pingpong den Preis für das beste Drehbuch während der Semaine de la critique auf dem Filmfestival in Cannes. Sein letzter Film Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf wurde auf der Berlinale im Rahmen einer Sondervorstellung gezeigt.

Wie haben Sie die Erfahrung als Präsident der Jugendjury erlebt?

Das Wichtigste ist, dass ich um mich herum sehr kompetente, wache Leute habe, die immer eine Meinung haben und sie auch vertreten. Ich habe das Gefühl, dass es eine sehr starke, qualifizierte Gruppe ist. Das ist eine große Chance.

Ist es schwierig, die Rolle des Regisseurs gegen die des Kritikers einzutauschen?
Nein, nicht wirklich, weil ich letztendlich mein schärfster Kritiker bin, beim Schreiben, beim Drehen…. Und hier habe ich die privilegierte und erleichternde Position, dass ich nicht die Verantwortung dafür trage, für das, was wir zu sehen bekommen. Von daher ist es eigentlich sogar entspannend!

Welche Ratschläge haben Sie den Nachwuchskritikern mit auf dem Weg gegeben, um einen Film zu beurteilen?
Wichtig ist immer, dass Form und Inhalt ineinander greifen. Die Juroren haben zuerst mehr auf Inhalte geachtet und weniger auf die formale Umsetzung. Aber in einem guten Film ist die formale Umsetzung genau so wichtig wie der Inhalt. Das muss zusammenpassen. Ich habe auch betont, dass es darum geht, was jeder emotional empfindet, wenn er sich einen Film anschaut.

Das ist die subjektive Seite bei der Arbeit eines Jurors.

Kann man überhaupt Kurzfilme, Spielfilme und Dokumentarfilme miteinander vergleichen und gegenander antreten lassen?

Einerseits ist es schwierig, Dokumentarfilme, Kurzfilme und Spielfilme miteinander zu vergleichen, das stimmt. Anderseits gilt: ein Film ist ein Film. Und jeder Film, egal wie lang er ist, hinterlässt im besten Fall ein Spur. Oder aber auch keine Spur. Wenn der Film gut ist, dann merke ich noch Tage später, dass ich noch immer im Gefühl habe, was ich auf der Leinwand gesehen habe. Eine Szene oder ein bestimmtes Bild, das mich verfolgt. Und man spürt auch im Saal, welche Atmosphäre herrscht, wie die Stimmung ist, ob es eine Spannung gibt oder nicht. Das spielt immer auch eine Rolle bei der eigenen Wahrnehmung des Films.

Was ist ihre Beziehung zum französischen Kino?
Ich habe während meines Studiums in Lyon gewohnt und genau in dieser Zeit habe ich das Kino entdeckt. Früher habe ich viele Bücher gelesen aber nicht so viele Filme geschaut. Die Werke von Wim Wender, Fassbinder, Haneke habe ich eigentlich zum ersten Mal in Frankreich gesehen! Dann habe ich entdeckt, wie schön das sein kann, einen Film anzugucken. Um die Sprache zu lernen, habe ich mir dann viele französischen Filmen angesehen: Chabrol, Truffaut, Godard…

Als ich nach Deutschland zurück kam, habe ich immer mehr französischen Filme gesehen. Und das hat mich natürlich geprägt, in der Art und Weise, Geschichten zu erzählen und in der Art, wie die Figuren in den Geschichten eingebaut sind.

Interview: Eva John

Übersetzung: Romy Straßenburg

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