Liebe um jeden Preis – Hors de prix (Hors de prix)

Filminfo
Originaltitel: , , Regie: Drehbuch: Darsteller_innen: , , , , , , , , , , , , Schnitt: Musik: Spieldauer: min

Unsere Wertung: ★★☆☆☆

Eure Wertung:
3,45 von 5 Punkten, basierend auf 20 abgegebenen Stimmen.

© TFM Distribution

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Inhalt

Irène ist in Südfrankreich auf Männerjagd. Die Femme Fatale weiß genau, wie man Millionären reihenweise den Kopf verdrreht. Durch ein Missverständnis hält sie den schüchternen, aber smarten Barkeeper Jean für einen wohlhabenden Hotelgast und verbringt die Nacht mit ihm. Als am nächsten Morgen klar wird, dass er nur ein mittelloser Angestellter ist, erkalten Irènes Gefühle sofort. Nicht aber die von Jean: Wird es ihm gelingen, ihr Herz zu erobern? (Tiberius-Film)

Kritik

„Zyniker sind enttäuschte Romantiker”, sagte bereits Oscar Wilde und prophezeite somit Unglaubliches: Für die einen gibt es also immer noch Hoffnung auf Besseres und den anderen bleibt ein Leben lang die Angst vor dem enttäuschenden Abstieg. Einer, der sich mit diesem ewigen Tauziehen auseinandergesetzt hat, ist Regisseur Pierre Salvadori. Mit seinem Film Hors de Prix erzählt er eine Geschichte, die sowohl den Zynikern als auch den Romantikern Recht gibt. Dennoch kommt sie ganz unverhohlen als romantische Liebeskomödie daher. Wie das geht?

Schon die erste Szene macht dem Zuschauer deutlich, worauf er sich einlässt: Eine Platincard nach der anderen wandert über die Ladentheke, Namen berühmter Designer füllen die Leinwand. Am Strand ruhen sich Menschen mit sonnengefalteter Haut aus, an der man die Lebensjahre ablesen könnte. „Sieben Jahre habe ich schon keinen mehr Regen gesehen”, sind Aussagen, mit denen dieserorts der Tag gefüllt wird. Man kennt ihn auch unter dem Namen „Côte d’Azur”. Irène (Audrey Tautou) braucht diesen Ort. Für die junge gutaussehende Frau bedeutet Luxus die Erfüllung ihres Daseins, deshalb lässt sie sich von reifen Millionären aushalten. Als sie in einem Luxushotel auf Jean trifft (gespielt von Gad Elmaleh) sind die beiden augenblicklich voneinander fasziniert. Doch Irène weiß noch nicht, dass Jean nicht in ihre luxuriöse Lebensplanung passt und nichts weiter als ein Hotel-Angestellter ist… Spätestens an diesem Punkt muss der bewanderte Kino-Gänger befürchten, einmal mehr einen Beweisversuch der „Aschenputtel-Theorie” zu sehen. Aber die Geschichte überrascht hier bereits wenige Minuten nach Beginn: Als Irène die Wahrheit über Jean erfährt, bricht sie eiskalt jeglichen Kontakt zu ihm ab. Weniger überraschend: Jean gibt trotzdem nicht auf.

Ist Liebe etwa doch käuflich? Regisseur Salvadori hat es sich mit dieser Fragestellung nicht einfach gemacht – brüllten doch schon die Beatles „Money won’t buy me love” in eine begeisterte Welt hinaus, die andererseits mit der gleichen Entzückung den Klängen von Marilyn Monroes „Diamonds are a girl’s best friend” lauscht. „Geld oder Liebe” – um diese Frage beantworten zu können, erschafft Salvadori zwei Instanzen, die den beiden Begriffen eines voraus haben: Sie sind Menschen und dadurch immer auch entwicklungsfähig. In dieser Erkenntnis liegt die große Chance eine ehrliche Liebesgeschichte zu erzählen. Salvadori hat sie leider verpasst. Als Iréne einmal Jean gesteht, sie finde ihn charmant, entgegnet dieser frustriert: „’Charmant sagt man zu jemanden, der nicht gut aussieht.'” Es gibt sie schon, jene Momente im Film, in denen Humor und Romantik verschmelzen und eine einzigartige, auf ihre Weise sogar zärtliche Bindung zwischen den beiden sichtbar machen. Nur bleiben sie so vergessen zwischen den Szenen liegen, als wären sie nie dagewesen – eine glaubhafte Weiterentwicklung der Figuren findet kaum statt. Und so kommt Tautou als luxussüchtiges Luder viel zu plötzlich zu ihrem Aha-Erlebnis, das auch durch ihre großen braunen Augen nicht glaubwürdiger wird. Ebenso lässt sich das Verhalten von Protagonist Jean mit jeder voranschreitenden Filmminute nur noch unter „nicht nachvollziehbar” verbuchen. Kein „Liebe macht blind” der Welt hilft, wenn man in Gad Elmaleh nur noch den Trottel sieht, der um eine Frau kämpft, indem er sich peinlich selbst aufgibt. Nicht das Kämpfen ist das Problem für die Liebesgeschichte, der Trottel dabei schon.

Liebeskomödien bringen fast immer ein Problem mit sich: Man kennt von Anfang an das Ende. Und dennoch (oder gerade deshalb) fiebert man genau diesem so entgegen. Bis dahin werden die Erwartungen an ein Happy End stetig untermauert und wieder zerstört – doch noch bevor die Hoffnung zuletzt sterben kann, ist er dann plötzlich da, der erlösende Schlussmoment. Man muss ihn nur glauben können. Und für ein paar Sekunden vergessen wir dann unseren Zynismus, den wir manchmal auch Realismus nennen und seufzen vielleicht sogar leise. Bei Hors de Prix ist die Liebesgeschichte nicht mit einem solchen Ausrufezeichen versehen. Der Film lässt uns die Wahl nach Glauben oder Nicht-Glauben. Nur will man die als Zuschauer hier nicht – Egal, ob Zyniker oder Romantiker.

Anne Kunzke

Presse

“Salvadori benutzt all jene Codes und den harmonischen Imperativ, die für eine Liebeskomödie notwendig sind.”  (Cahiers du Cinema)

Eine Komödie, leicht wie ein Schluck Champagner, schnell zu genießen, einfach anzusehen. Nur leider ist ein billiger Champagner nur schlecht verträglich.” (Elle)



Trailer

Französisch:

Deutsch:
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