Ein Chanson für dich (Souvenir)

Inhalt

Liliane (Isabelle Huppert) arbeitet in einer Pasteten-Fabrik und führt ein eintöniges Leben. Die Zeiten, in denen sie als Chanson-Sängerin „Laura“ noch große Erfolge feierte, sind längst vergessen und vorbei. Doch als sie Jean (Kévin Azaïs), einen 22-jährigen Boxer, kennenlernt, der in ihr den einstigen Star erkennt, ändert sich alles. Er verliebt sich in Liliane und überzeugt sie, dass es an der Zeit ist, ins Rampenlicht zurückzukehren.

Kurzkritik

Ein abgehalfterter Schlagerstar, alkoholabhängig, einsam, vergessen… versucht ein Comeback. Bis hierhin ein durch die Klatschpresse gern hochgehaltenes und in zig Facetten ausgeschmücktes Portrait, das jeder irgendwie kennt.
Warum man die Geschichte vom gefallenen Star “Laura” dennoch gern sieht, liegt womöglich daran, dass Regisseur und Drehbuchautor Bavo Defurne die Klischees nicht negiert, ihnen aber genug Futter verpasst um die Zuschauer zugleich ins Staunen und Stolpern zu versetzen. So beobachten wir Liliane (“Laura”) gleich zu Beginn bei ihrer Arbeit in einer Pastetenfabrik, wie sie mit Plastikhaube auf dem Kopf in Fließbandarbeit Fleischpastete garniert. Da wäre zudem die in Filmen eher selten erzählte Kombination eines Liebespaares – Er Anfang 20, Sie mindestens 25 Jahre älter. Dass dieser Altersunterschied jedoch mehr beiläufig gestriffen als zentral thematisiert wird, wirkt sehr befreiend. Kévin Azaïs als „Jean“ besticht sowohl mit seinem jugendlichem Charme als auch einer unglaublichen Reife, und Isabelle Huppert – nunja, sie ist eben Isabelle Huppert – vermag mit ihrer feenhaften wie eisernen Ausstrahlung noch immer Gefühle auszudrücken, von denen wahrscheinlich nicht mal der Zuschauer selbst Kenntnis hatte. An keiner Stelle jedoch bemerkt man den Autor oder Regisseur hinter dieser Liaison.

Und obwohl mit dem Schlager als Puls des Filmes der melancholische Kitsch vorprogrammiert ist, gelingt es Defurne, die Geschichte – trotz ihrer Unglaublichkeit – so zu erzählen, dass man sie ernst nehmen kann. So badet er seine Figuren in einem Klangteppich von „Pink Martini“, die wahrscheinlich beste musikalische Entscheidung, wenn man Schlager ernsthaft und mit einem Augenzwinkern begegnen will. Dabei verschließt er keinesfalls die Augen: sein Schlageruniversum ist nicht etwa vom heutigen Leder-Disko-Rumms geprägt, es atmet immer noch die Studioluft der 70er Jahre und lässt im Champagneresken Aufstieg bereits den einsamen Whiskey-Fall erahnen.

Mal Märchen, mal Drama, mal Komödie – Defurne beherrscht die Genres sowohl visuell als auch in Dialogform, doch eben dieses Spiel macht es einem manchmal schwer, sich auf die Essenz der Geschichte einzulassen. Alles existiert hier irgendwie parallel, ist gleich wichtig oder belanglos.
Und so bleibt einem nichts weiter übrig, als sich von der Magie der beiden Hauptfiguren mitreißen zu lassen und darüber zu staunen, wie sie es schaffen das Unmögliche möglich zu machen.
Anne Kunzke

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