Die Klasse (Entre les murs)

© Haut et Court

 

Inhalt

François ist ein junger Französischlehrer, der an einer schwierigen Schule in einem Vorort von Paris unterrichtet. Die 25 Schülerinnen und Schüler seiner Klasse sind zwischen 13 und 15 Jahren alt und weisen die verschiedensten ethnischen und kulturellen Hintergründe auf. François ist bestrebt darum die Jugendlichen zu motivieren und stellt sich ihnen in anregenden Wortgefechten und versucht so, nicht nur den Lehrplan durchzuziehen, sondern auch elementare Werte wie Respekt und Toleranz zu vermitteln.

Kritik

François Bégaudeau ©polyfilm

Entre les murs (Die Klassse) spielt sich im Kreis von Schülern und Lehrern des Collège Dolto im 20. Arrondissement Paris ab, einer der sozialen Brennpunkte der Stadt. Hier fand Cantet, wonach er suchte: Eine Schule, die in ihrer sozialen Struktur jener aus dem gleichnamigen Roman von François Bégaudeau ähnelt. Der Autor war selbst einmal Lehrer und machte seine eigenen Erfahrungen mit diesem Buch der Öffentlichkeit zugänglich. Fasziniert von der Schul-Welt ließ sich Cantet schließlich davon inspirieren: „Ich wollte unbedingt in diesen Mikrokosmos, in dem sich unsere Gesellschaft konstituiert, eindringen. Dieses Buch lieferte mir dafür das Roh-Material, das mir noch fehlte.”
Über den Zeitraum eines Schuljahres arbeitet er mit Schülern und Lehrern des Collège im Rahmen von regelmäßigen Workshops, bei denen Szenen des Schulalltags improvisiert werden. Woche für Woche entwickeln sich auf diese Weise die Film-Figuren und deren Geschichten: „Letztendlich hat sich die Klasse aus dem entwickelt, das sie selbst beigesteuert haben”, erzählt Cantet in einem Interview. „Dabei war mir sehr wichtig, dass es nicht darum ging sich selbst zu spielen.” „Dokumentierte Fiktion” nannte es Cahiers du Cinéma. Diese Wirkung des Films auf ein zwischen Dokumentation oder Fiktion zögerndes Publikum, ist von Cantet so angelegt. Sei es um die Menschen hinter den Figuren zu schützen oder aus film-ästhetischen Gründen, Entre les murs hütet sich vor jeglicher Form der Ideologie, die seinem Thema innewohnt.

© polyfilm

Die Kamera begleitet eine Klasse im Schulalltag, sie zeigt uns manchmal motivierte Schüler, häufig jedoch demotivierte Schüler. Wir sehen Lehrer, die so ehrgeizig wie auch verloren scheinen. Sie sehen sich konfrontiert mit Jugendlichen im Alter von 13 – 16 Jahren, die durch ihren Alltag stolpern, meist über Selbstzweifel und Zukunftsangst. Cantet gewährt uns Einblick in diesen Mikrokosmos samt seiner komplizierten Strukturen und bewahrt dabei stets Respekt gegenüber seinen Figuren. Und so beobachten wir sie mit ihren Stärken wie auch Schwächen, ohne jedoch dabei über sie zu richten. Bégaudeau, der die Rolle des Lehrers im Film übernahm, betont, dass es sich nicht um eine Anklage des Schulsystems handeln soll. Anstelle sich „abseits der Dinge zu stellen und sie dann von außen zu beurteilen” sollten sie vom Inneren aus beobachtet werden.

Entre les murs handelt von der Schwierigkeit seine Identität zu entwickeln in einem Umfeld, in dem die Menschen nach ihren kulturellen Wurzeln bewertet werden. In diesem Sinn hat Cantet auch einen politischen Film gedreht. In einem Frankreich, dass sich eine Immigrationspolitik nach Zahlen auferlegt hat, nach der 25 000 Abschiebungen in diesem Jahr erfolgen sollen, zeigt der Film die Gesichter dahinter. Auch hier überschneiden sich Fiktion und Realität bei Cantet, der nicht nur in seinem Film von Opfern der Einwanderungspolitik erzählt, sondern auch in der Wirklichkeit mit ihren Problemen in Berührung kommt. So lernt er beim Dreh einige Eltern und Schüler kennen, die noch immer keine Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich besitzen, die der permanenten Angst vor Ausweisung tagtäglich ausgesetzt sind.

Anne Kunzke

Presse

“Der Film balanciert kunstvoll am Rande des Dokumentarfilms, so kunstvoll, dass man sich fragen muss, wie Cantet, sein Autor und Hauptdarsteller François Bégaudeau und ein Haufen Schulkinder das zum Teufel hinbekommen haben. … Cantet erzählt das vorurteilsfrei und unparteiisch, und ohne jeden Lösungsansatz – gerade das macht seinen Film so aufwühlend, dass er nichts simplifiziert und die Sehnsucht nach Schuldzuweisungen nicht erfüllt. … Ein klassischer Festivalfilm – man muss sich keine Illusionen machen: Gegen die Unterhaltungsmaschinerie kommt diese detaillierte Frustrationsstudie nicht an.” (Süddeutsche Zeitung)

“In “Entre les murs“ wohnt der Zuschauer einem quasi noch nie dagewesenen Schauspiel bei, wo Jugend und Lehrkörper sich miteinander auseinandersetzen, als ginge es darum, einen dunklen, diffusen Dschungel zu durchkehren, in den kein Lichtstrahl vordringt und wo jeder Schritt eine völlig unerwartete Gefahr aufzudecken droht.” (arte)

„Die Klasse“ gibt sich spröde und ist auch nicht leicht konsumierbar. Ein Film, der einen nicht bestätigt, sondern herausfordert und in Frage stellt. Man geht mit dem Lehrer François durch die Hölle.
(Rüdiger Suchsland -filmdienst)

Auszeichnungen

Fimfestspiele in Cannes 2008:
Die Goldene Palme

Trailer

Deutsch

Französisch

Die Klasse (Entre les murs)geschrieben von ak average rating 2.7/5 - 43 Besucherbewertungen

One Comment

  1. sxd 17. März 2011

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