Dialog mit meinem Gärtner (Dialogue avec mon jardinier)

© Arsenal-Filmverleih

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Inhalt

Ein erfolgreicher Maler zieht von Paris in sein Geburtshaus auf dem Land. Hier sucht er einen Gärtner, der sich um sein Anwesen kümmert. Léo, ein ehemaliger Schulkamerad des Malers meldet sich auf die Annonce. Die beiden blicken auf die damalige Zeit zurück und freunden sich in langen Gesprächen über die verschiedensten Themen an. Auf diese Weise lernen sie die Welt aus der Perspektive des jeweils anderen kennen.

Kritik

Am Anfang laufen Bilder: Felder, Wiesen, ein altes Haus mit einem großen Garten. Sie könnten ebenso aus einem seichten Fernsehfilm mit Landhaus-Romantik stammen. Da ist „Dupinceau“ (Daniel Auteuil), Maler und Intellektueller aus Paris, der für das geerbte Haus seiner Eltern einen Gärtner sucht. Und da ist Léo (Jean-Pierre Darroussin), Frührentner und ehemaliger Bahnmitarbeiter, der diese Arbeit übernehmen will. Beide kennen sich noch aus ihrer Schulzeit, bis sie ihre soziale Herkunft auf verschiedene Lebenswege führte.

Die Rollenverteilung ist schnell klar: „Dupinceau“ ist der studierte Künstler mit einem wilden Leben, in dem er für seine Unabhängigkeit stets einen hohen Preis bezahlt. Zahlreiche Affären, eine kaputte Ehe, seine enttäuschte Tochter – er gibt das Paradebeispiel eines selbstverliebten Kreativen mit Bindungsangst. Léo dagegen verkörpert den Nicht-Akademiker in der ruralen Grauzone, die sich jenseits von Paris erstreckt, in der die Menschen arbeitssam und treu sind, in der man „zupackt“ und auf Alt-Bewährtes setzt. Soweit zu den benutzten Klischees. Soweit zum „seichten Fernsehfilm“.

Dass der Film dann doch noch mehr bietet als Dialoge, die einer hohlen Worthülle gleich zur Vertonung der schönen Landschaft dienen, ist vor allem Jean-Pierre Darroussin zu verdanken. Darroussin spielt die Rolle des Gärtners Léo so wunderbar unverschnörkelt, dass er die Arroganz der Pariser Intellektuellen lächerlich wirken lässt, dabei jedoch nichts von seiner unschuldigen Ehrlichkeit einbüßt. Léo ist klug und weise und witzig ohne es sein zu wollen. Wenn er wissend in den Himmel schaut und sagt: „Heute wird es noch regnen“ und damit Recht behält, wenn er davon erzählt, wie er mit seiner Frau und großer Vorfreude seit 25 Jahren an den gleichen Urlaubsort fährt, wenn er von seinen Verdauungsproblemen berichtet. Da ahnt „Dupinceau“, dass die vermeintlich simplen Dinge im Leben für ihn selbst auch die kompliziertesten bleiben. In seinem Leben, dass vor allem auf Selbst-Darstellung basiert, existieren die anderen nur als Messlatte der eigenen Leistung. Bodenständigkeit ist für ihn gleichbedeutend mit Langeweile, das Leben auf dem Land ein Leben verpasster Chancen.

Die beiden Männer haben nichts gemein. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner liegt bereits weit zurück: Ein gemeinsam geplanter Schülerstreich, für den beide bestraft wurden und an den sie sich nun lachend erinnern. Hier setzt „Dialog mit meinem Gärtner“ an. Der Regisseur Jean Becker zeigt behutsam wie aus dieser Konstellation zwei Gefährten werden, wie der selbstgerechte „Dupinceau“ aus seinem Künstler-Himmel auf den Boden der Tatsachen geholt wird zu den Wurzeln, die Léo so bevorzugt, „weil man sich da nicht so verirren kann“. Irgendwann nennen sie sich „Herr von Pinsel“ und „Herr von Garten“.

Es ist die Geschichte vom Maler „Dupinceau“. Eine Geschichte vom Bereuen, vom Wiedergutmachen, von Einsicht und Veränderung. Sein Dialog mit dem Gärtner ist witzig, peinlich, rührend, also menschlich. Manchmal ist er etwas vorhersehbar, so ähnlich schon einige Male erzählt, mit einem Daniel Auteuil, der in dieser Rolle durchaus austauschbar wäre. Dafür ist Jean-Pierre Darroussin umso einmaliger.

Presse

„Ganz nett. Das Projekt krankt an einer lahmen Inszenierung, an aufgewärmten Humor und einer Aneinanderreihung gewöhnlicher Orte.” (Le Monde)

„Ja, für diesen Film fahren wir auf’s Land (…), wir verneigen uns vor der exzellenten Darstellung dieser beiden (Anti-)Helden. Was Becker betrifft, ein moderner Candide, so beweist er wahres Talent. Sein Kino ist ruhig, ohne große Geniestreiche aber eben auch ohne Schwächen.” (Le Parisien)

„Es ist die tausendfach erzählte Geschichte des Intellektuellen, der in der Begegnung mit den Wurzeln des Volkes seinen Zwiespalt überwindet, die Jean Becker (der schon in den Sechzigerjahren Filme mit Belmondo drehte) und sein Drehbuchautor Jean Cosmos hier gemächlich und ohne allzu viele Überraschungen bis zum traurigschönen Ende ausbreiten.” (Berliner Morgenpost)

Trailer

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