Cannes 2016 – alles bleibt anders. Die Eckdaten

© Lagency / Taste (Paris) / Le Mépris © 1963 StudioCanal - Compagnia Cinematografica Champion S.P.A. - All rights reserved

© Lagency / Taste (Paris) / Le Mépris © 1963 StudioCanal – Compagnia Cinematografica Champion S.P.A. – All rights reserved

Es ist Mai und Cannes ist wieder dran. Solange niemand die Filme gesehen hat, klammern wir uns an Oberflächlichkeiten. Hier die Eckdaten, los geht’s.

Es begann schonmal wie immer: Ständig wurde über das Wetter geredet und das war wohl gestern nicht so gut wie es sich für die Côte d’Azur im Mai gehört. Einzig die intensiven Sicherheitsvorkehrungen waren neu und erzählten davon, dass es auch eine Welt außerhalb des Cannes-Traums gibt. Und dass sie sich trotzdem immer weiter dreht.

Woody Allen also. Mit „Café Society“ eröffnete der mittlerweile 80-Jährige die 68. Filmfestspiele in Cannes. In den kommenden Tagen werden sich hier u.a. noch Regisseure wie Steven Spielberg (mit dem Fantasyabenteuer„BGF“, einer Roald Dahl-Verfilmung von „Sophiechen und der Riese“), Jodie Foster mit dem Thriller „Money Monster“ (mit George Clooney und Julia Roberts in den Hauptrollen) und Jim Jarmush einreihen, der mit „Gimme Danger“ den Musikgeist der späten 60er Jahre im Zeichen von Iggy Pop und den Stooges auslotet. Sie alle präsentieren ihre Werke außer Konkurrenz.

CAFÉ SOCIETY  © GRAVIER PRODUCTIONS, INC., PHOTOGRAPHER – SABRINA LANTOS

Café Society   © Gravier Prodictions , Sabrina Lantos

Doch auch der diesjährige Wettbewerb bietet wieder die ganz großen Namen: Von Ken Loach, Pedro Almodóvar, Jim Jarmush (der gleich mit zwei Filmen dabei ist) bis hin zu Sean Penn und Jeff Nichols. Nur die Frauen unter den Filmemachern sind wieder einmal rar. Unter 21 Filmen lassen sich gerade einmal 3 Regisseurinnen ausmachen, darunter auch der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag von Maren Ade. Überraschend ist das nicht, Cannes versprüht nicht unbedingt den progressivsten Geist unter den Filmfestivals. Dazu ist das Meer vielleicht einfach zu blau und die Absätze zu hoch.

Ein starkes französisches Drittel

Traditionellerweise sind gleich mehrere französischsprachige Produktionen unter den Wettbewerbsbeiträgen vertreten, in diesem Jahr zu einem Drittel – zum Vergleich: Bei der Berlinale gab es in diesem Jahr nur EINE deutschsprachige Produktion.

Den Anfang in Cannes macht heute am ersten Festivaltag „Rester vertical“, in dem sich Regisseur Alain Guiraudie („Der Fremde am See“) wieder seinem Lieblingsthema – der menschlichen Sexualität – nähert. Gewissermaßen auch nach Tradition spielt Isabelle Huppert in Paul Verhoevens Thriller „Elle“ eine Frau, die ihr Leben mit eiserner Hand meistert und doch eines Tages – durch ein starkes Ereignis – unerwartet ins Straucheln gerät.

Trailer ELLE:

Die üblichen Verdächtigen: Von A wie “Assayas” bis D wie “Dardenne” und “Dolan”

Zum 7. Mal in Cannes dabei sein werden die Belgier Jean-Pierre und Luc Dardenne mit ihrem neuen Film „La fille inconnue“, in dem die Protagonistin (gespielt von Adèle Haenel) mit einem Mord an einem Mädchen vor ihrer Haustür konfrontiert wird.

Dass der 27-jährige Franko-Kanadier Xavier Dolan mit seinem aktuellen Film nach „Mommy“ wieder für Cannes ausgewählt wurde, ist dann irgendwie auch nicht so überraschend, wenn man bedenkt, dass dies bisher auf 4 seiner 5 Filme zutraf. Mit „Juste la fin du monde“ und einem Cast der Superlative (Marion Cotillard, Nathalie Baye, Vincent Cassel, Léa Seydoux, Gaspard Ulliel) erzählt er die Geschichte eines Autors, der nach 12 Jahren zu seiner Familie zurückkehrt um ihnen von seinem bevorstehenden Tod zu erzählen.

Juste la fin du monde © Shayne Laverdière, courtesy of Sons of Manual

Juste la fin du monde
© Shayne Laverdière, courtesy of Sons of Manual

Ebenfalls zum 5. Mal wird Regisseur Olivier Assayas („Die Wolken von Sils Maria“) vertreten sein. In seinem Film „Personal Shopper“ übernahm Kristen Stewart, die daneben für Woody Allen nach Cannes gereist ist, die Hauptrolle.

Die Außenseiter: Komödianten und Filmemacherinnen

Mit zwei Auszeichnungen in Cannes ist Regisseur Bruno Dumont zwar kein Außenseiter per se, aber Komödien haben es im Allgemeinen ja immer etwas schwer im Festivalwettbewerb. Dumont, der einigen von der skurrilen Arte-Miniserie „Kindkind“ bekannt sein dürfte, stellt hier „Ma Loute“ vor, eine Kriminalkomödie mit Fabrice Luchini und Juliette Binoche in den Hauptrollen.

Und zu guter Letzt darf sich mit Nicole Garcia eine der wenigen Vertreterinnen des Regisseurberufs behaupten. In ihrem Film „Mal de Pierres“ (Marion Cotillard und Louis Garrel) erzählt sie die Geschichte einer jungen Frau, die ihren gesellschaftlichen Befreiungsschlag mit der großen Leidenschaft begehen will.

Mal de Pierres © 2016 Les Productions du Trésor - Studiocanal - France 3 Cinéma - Lunanime - Paul

Mal de Pierres
© 2016 Les Productions du Trésor – Studiocanal – France 3 Cinéma – Lunanime – Paul

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