Auf Liebe und Tod (Vivement Dimanche!)

Filminformationen
 

Auf Liebe und Tod!

Originaltitel: Vivement Dimanche Frankreich 1983 Regie: François Truffaut Drehbuch: François Truffaut, Jean Aurel, Suzanne Schiffman Kamera: Néstor Almendros Schnitt: Martine Barraqué Produzenten: Armand Barbault, François Truffaut Darsteller_innen: Fanny Ardant, Jean-Louis Trintignant, Jean-Pierre Kalfon, Philippe Laudenbach, Philippe Morier-Genoud, Xavier Saint-Macary, Jean-Louis Richard, Caroline Sihol u.a. Spieldauer: 111min Kinostart: 10.08.1983 (F) 27.01.1984 (BRD) 

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Inhalt

Immobilienmakler Julien soll in einer südfranzösischen Kleinstadt den Geliebten seiner untreuen Frau und später auch seine Frau ermordet haben. Während die Polizei von seiner Schuld überzeugt ist, nimmt Juliens resolute Sekretärin Barbara, die ihn im Keller seines Büros versteckt, eigene Ermittlungen auf, in deren Verlauf eine Kinokassiererin und ein Bordellbesitzer ermordet werden. Barbara fädelt mit einem Detektiv und dem Kommissar eine Intrige ein und kann den wirklichen Mörder stellen. Barbara und Julien werden getraut.
(Videomarkt)

Kritik

Truffaut fotografiert „Vivement Dimanche!“ bewußt in schwarzweiß und nicht in Farbe, um ihm die Atmosphäre alter amerikanischer Gangsterfilme zu verleihen. Auch weist Truffauts Film einige Motive aus Hitchcock- Werken auf. Da ist zum einen der unschuldig Verdächtigte, von dessen Schuld die Polizei jedoch überzeugt ist, da sie einige Indizien gegen ihn in der Hand hat Zum anderen ist da die Frau, die in den Verdächtigen verliebt ist und ihm deshalb hilft (siehe Hitchcocks „North by northwest“ oder „Spellbound- Ich kämpfe für dich“).
Die vielleicht brillanteste Szene in „Vivement Dimanche!“ ist der Mord an Paula Delbecq, der als Hommage an Hitchcocks „Frenzy“ zu sehen ist, der eine ähnliche Sequenz enthält. Man sieht nur den Arm, der sie in das Kino winkt. Paula geht hinein, die Tür geht zu und die Kamera bleibt vor derselben. Man sieht nur die geschlossene Tür des Kinos, in dem gerade Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“ läuft. Man hört die Schüsse des Krieges und sofort ist klar, was hinter der Tür geschieht. Um Spannung zu erzeugen verwendet Truffaut auch den Suspense, den Hitchcock so perfekt einsetzte, z.B. in der Szene aus „The Birds“, in der die Krähen sich auf dem Klettergerüst sammeln und Tippi Hedren, nichts ahnend, im Vordergrund seelenruhig eine Zigarette raucht. Auch in „Vivement Dimanche!“ weiß der Zuschauer oft mehr als die Protagonisten; so fiebert er mit und hofft, die Filmcharaktere werden alles noch rechtzeitig bemerken. Als Julien in Paulas Wohnung einsteigt, weiß man, dass er bald von Massoullier, dem Pfarrer, überrascht werden wird und hofft, er werde die Wohnung rechtzeitig verlassen.
Truffaut würdigt so zwei seiner persönlichen Lieblingsregisseure, Hitchcock und Kubrick.
In „Vivement Dimanche!“ ist auch wieder jene Leichtigkeit, die die meisten Truffaut- Filme kennzeichnet, spürbar. Gekonnt inszeniert François Truffaut eine „hintergründige Kriminalkomödie, die mit cineastischen Verweisen, Zitaten und sarkastischen Seitenhieben nicht spart.“1 und lockert die Handlung auch mit Humor auf. Als Barbara von einem Mann, der sie für eine echte Prostituierte hält fragt „Wieviel?“, nennt sie ihm naiverweise die Uhrzeit. Durch die schwungvolle Inszenierung entsteht kein dramaturgischer Leerlauf, kommt niemals Langeweile auf.
Der Film lebt von den hervorragenden Dialogen, die sehr sorgfältig durchdacht wirken und ebenso inszeniert sind.
„Vivement Dimanche!“ ist zwar vielleicht kein Geniestreich wie „Les quatre cents coups“ oder „Tirez sur le pianiste“, mit dem er am ehesten verglichen werden kann und dennoch ein sehr guter, spannender, unterhaltsamer Film; somit bildet er einen würdigen Abschluss für Truffauts Regiekarriere.

Sebastian Walter

Presse

Eine charmante, hintergründige Kriminalkomödie im oft selbstironischen Stil der Schwarze-Serie-Filme der 40er Jahre, temporeich inszeniert und in stilechtem Schwarz-weiß ausgezeichnet fotografiert. Perfekte Kinounterhaltung.
(filmdienst)

Trailer

Französisch:

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