Angèle und Tony (Angèle et Tony)

Unsere Wertung: [rating:4/5]

© koolfilm

Inhalt

Sie braucht einen Vater für ihren Sohn Yohan – sonst bekommt sie ihn nicht wieder. Auf ihre Anzeige meldet sich Tony, ein einfacher Fischer, der nicht viel Worte macht. Angèle glaubt, sie könne ihn mit ihrer Schönheit ködern.

Tony schreckt vor ihrer schroffen Art zurück, aber er spürt ihre Sehnsucht und gibt ihr eine Chance als Verkäuferin. Seine Mutter ist wenig angetan. Was wissen sie eigentlich von dieser Frau, die ihren Sohn unbedingt heiraten will?

Kritik

Dass der dickliche, bodenständige normannische Fischer, der sich auf Angèles Anzeige meldet, so gar nicht zu ihr passt, ist ihr egal. Sie selbst ist sich egal, alles was für sie zählt ist ihr Sohn Yohan, den sie seit ihrem Gefängnisaufenthalt nicht mehr gesehen hat. Für eine Plastik-Actionfigur hat sie Sex mit einem Fremden und den biederen Fischer Tony will sie ebenfalls mit ihrem Körper überzeugen, denn sie braucht einen Vater für ihr Kind – sonst bekommt sie das Sorgerecht nicht zurück. Doch Tony merkt sofort, dass diese Frau nicht ihn will, sondern etwas anderes. Trotzdem stellt er sie als Fischverkäuferin ein und setzt sich gegen seine misstrauische Mutter und seine eigenen Zweifel durch. Angèle lernt das nasskalte Wetter und das raue Leben der normannischen Fischer aus allernächster Perspektive kennen. Selbst die skeptische Mutter Tonys lässt sich von der ehrlichen Anstrengung der jungen Frau ihre Arbeit gut zu machen, überzeugen. Vielleicht zum ersten mal in ihrem Leben erfährt Angèle Anerkennung für das, was sie tut und trotz aller Widrigkeiten erlebt sie Zufriedenheit. Auch für Tony ist es keineswegs einfach sich auf dieses Experiment mit der verschlossenen jungen Frau einzulassen. Beiden fällt es schwer überhaupt miteinander zu kommunizieren und so ist es kein Film der vielen Worte sondern der kleinen Gesten. Dass dennoch eine Annäherung der beiden widersprüchlichen Charaktere stattfindet und diese auch noch überzeugend dargestellt und frei von melodramatischen Wendungen ist, ist wunderbar anzusehen.

Die Hauptdarsteller leisten in diesem Regiedebut von Alix Delaporte Außerordentliches. Clotilde Hesme verleiht Angèle eine Präsenz, welche die Zuschauer_innen trotz ihrer Undurchschaubarkeit und dem scheinbaren Fehlen sozialer Kompetenz für sie einnimmt. Grégory Gadebois wirkt auf den ersten Blick wie ein Protagonist aus „Bauer sucht Frau“ offenbart aber eine schauspielerische Brillianz, die mit kleinsten Minenspiel auszukommen weiß und seiner Figur eine ungeheure Authentizität verleiht. „Er ist die Wand, gegen die sie anrennt“ beschreibt die Regisseurin seine Aufgabe. Und selten hat man ein so befriedigendes Happyend erlebt, das vor der rauen Kulisse der normannischen Küste ohne jeden Pathos auskommt.

Henry Kaiser

Presse

ANGELE UND TONY ist ein Film, der ohne falsche Töne und Beschönigungen auskommt, ohne Sonnenuntergänge und laute Versöhnungen. Stattdessen gelingt Alix Delaporte und ihrem beeindruckenden Ensemble das Kunststück, von Heilung, Liebe und Freundschaft zu erzählen, ohne zu lügen. Manche Knoten – so versichert der Film glaubhaft – lösen sich eben wirklich mit Zeit und Ruhe. (Arte)

Ohne den bitteren und oft anklagenden Proletarier-Touch englischer Sozialdramen führt Delaporte in das Milieu so genannter kleiner Leute, in ihre Sprachlosigkeit und Nüchternheit, entfernt sich aber nach und nach vom sozialen Realismus, lässt einen Hauch von Romantik zu. (Margret Köhler, br-online)

Auszeichnungen

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