
An dieser Stelle schreibt Erik monatlich über alles, was ihn im französisch-deutschen (Kultur-)Universum bewegt.
Es in diesen Tagen noch nicht nach Cannes geschafft zu haben – wo doch das wichtigste Festival der Welt allen zeigt, was Kino ist – kann eigentlich nur mit einer Entschuldigung akzeptabel begründet werden: Man ist eine Frau. Bérénice Béjo ist zwar eine Frau, hat aber Glück, weil sie im Oscar-prämierten „The Artist“ zum internationalen Superstar avancierte. Somit wird ihr die Ehre zuteil, die Filmfestspiele in diesem Jahr zu präsentieren. Da konnte sie ja nur mit Unverständnis auf die mahnende Anklage der weiblichen Filmschaffenden Virginie Despentes, Coline Serreau und Fanny Cottençon reagieren, in Cannes wären Frauen nur zum Dekolleteé-zeigen gern gesehen! Schließlich fühle sie sich nicht als Püppchen (auch, wenn dieser Job ja doch irgendwie prinzessinnenhaft sei, wie sie zugibt). Und überhaupt, es gäbe eben Dinge, die Frauen besser könnten als Männer: „Es gibt ja auch viel mehr weibliche als männliche Krankenschwestern. Ich denke, das kommt wohl von der Mütterlichkeit.“ Ah ja. Wie gut also, dass wir in diesem Jahr 22 Filme von männlichen Regisseuren sehen dürfen, in denen es so überhaupt nicht mütterlich zugeht (Politik und Sozialkritik müssen schließlich sein!).
Die Bilanz bis jetzt birgt wenig Überraschungen: Wes Anderson macht immer noch die gleichen Filme mit dem immer gleich guckenden Bill Murray, Michael Hanekes neuer Film „Amour“ ist – wie die Vorgänger auch – von so bedrückender Natur, dass sogar Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant vor Kurzem sagte, er würde sich so etwas niemals freiwillig anschauen; auch die bisherigen großen Favoriten auf die Goldene Palme – Jacques Audiards Drama „De rouille et d‘os“, von dem in der französischen Presse zu lesen war, dass er „Cannes bereites in der 1. Runde K.O.“ gehauen habe sowie Ken Loachs „The Angels‘ Share“ – sind alt bekannte Favoriten (und Gewinner). Wer das alles trotzdem missen muss, der bemerke hämisch: Eines ist anders in diesem Jahr in Cannes. Es regnet, und regnet, und regnet…
Erik




