Die Liebe zum Kino ist in Cannes keine Garantie, um einen der begehrten Plätze im großen Saal des Festivalpalastes zu kommen. Für die 32 Schüler der (Ganz) jungen Kritik heißt es daher Schlange stehen und hoffen, eine der begehrten Karten für die Hauptvorstellung zu ergattern…

Die Freundinnen aus Wiesloch hoffen, noch eine Karte zu ergattern. © junds2009
Das Filmfestival von Cannes ist traditionell ein Festival der Filmindustrie, wo sich Schauspieler, Produzenten und Regisseure treffen, die ihre Filme präsentieren und hinter den Kulissen auch Geschäfte machen. Dennoch zieht es jedes Jahr Tausende von Kinobegeisterten an. Aus diesem Grund schickt das Deutsch-Französische Jugendwerk jedes Jahr Schüler ans Mittelmeer, um das größte Filmfestival der Welt hautnah mitzuerleben.
Mit anderen Filmkritikern schauen sie am Vormittag die Beiträge auf der Semaine de la critique. Am Abend beginnt dann der Wettlauf um die umkämpften Plätze im großen Festivalpalast. Nach den ersten Tagen haben sie schon Erfahrung darin, wie man am an eine „blaue Karte” kommt, denn das ist die Voraussetzung, um auch ohne offizielle Akkreditierung der Organisatoren die roten Treppen nach oben zu schreiten. Daneben gibt es Tickets für die Presse, für die Produktionsfirmen usw.
Eines ist klar: mit Jeans, Rucksack und Flip-Flops sind die Aussichten gleich null. Abendgarderobe, Fliege und Lederschuhe sind Pflicht. Zu Beginn haben es die Schüler mit Schildern probiert: Mit Sprüchen wie „Umarmung für eine Karte”, standen Claudia, Jenny und ihre Freundinnen in der Schlange. Eine, zwei, manchmal sogar vier Karten hat man ihnen schon geschenkt.
„Man muss die Leute direkt ansprechen,” so die Erfahrung von Philippe, 17 Jahre, aus Colmar. Er hat es in den umstritten neuen Film „Antichrist” von Lars von Trier geschafft. „Es ist einfach anders, im Filmpalast dabei zu sein. Man fühlt sich schon wichtig, wenn man die Treppen hinauf steigt. Der Saal ist fantastisch. Ich habe in der letzten Reihe gesessen und hatte trotzdem einen unglaublich guten Blick auf die Leinwand. Die Akustik ist enorm – die Geräusche kommen von allen Seiten.”
Für die Schüler, wie für alle Cannes-Besucher gehört der Glamour zum Spiel: „C’est Cannes” – das ist eben Cannes! Dieser Satz erklärt vieles in diesen Tagen, zum Beispiel wenn Jean-Claude Vandamme in der Nacht in einem weißen Cabrio die Straßen entlang rauscht und Filmfans von morgens bis abends auf Stehleitern vor dem Palast auf die Ankunft der Stars warten.
Was die Qualität der Filme betrifft, so findet Marylin: „Eigentlich haben mir fast alle Filme auf der Kritikerwoche besser gefallen als die groß angekündigten Meisterwerke.”
Dennoch wird sie auch in den letzten beiden Tagen des Spektakels, auf eine blaue Karte hoffen.
Ist ja auch kein Wunder…das ist eben Cannes!
Text: Romy Strassenburg und Eva John


















