„Ch’timania“ – können 20 Millionen Franzosen irren?

Mittlerweile haben ein Viertel der französischen Bevölkerung „Bienvenue chez les Ch’tis“ gesehen. Eine amour fou ist es jedoch nicht, in den französischen Foren wird viel diskutiert. Wie witzig ist der Film? Ist er politisch korrekt oder inkorrekt? Darf man überhaupt lachen?

Dem Regisseur Dany Boon wird viel vorgeworfen: Einen regionalistischen Film hätte er da gemacht. Einen, der kulturelle Individualität mit Ausgrenzung verwechsle, der Frankreich in regionale Bewertungs-Schubladen einteile. Der Film sei beleidigend für die Bewohner der Region Nord-Pas de Calais, einige benutzen sogar das Wort „rassistisch“. Zu einfach habe sich Boon es gemacht, der doch eigentlich den Franzosen mit seinen Stereotypen entlarven wollte, sich jedoch selbst an simplen Klischees bediene. Zu nostalgisch sei Boon auch: In der Realität werde die Sprache der „ch’tis“ im Norden demnach kaum noch im Alltag gesprochen, traurige Bilanz auch vieler anderer Minderheitensprachen Frankreichs. Sauer sind einige, weil die Region mit 600 000 Euro den Film mit-finanzierte.

Auch in der Presse lässt sich ein Grundtenor nur schwer ausmachen: Die Rezensionen reichen von „brilliant komisch“ bis zu „nichtssagend“, das Szenario sei zu lahm und schwach oder sehr pointiert, die schauspielerischen Darbietungen langweilig oder überragend.

Bienvenu chez les Ch’tis“ – nur eine billige Karikatur des Nordens?

Durchstöbert man die zahlreichen Einträge in den Foren ist auffällig, dass sich in einem Punkt sowohl Kritiker als auch Liebhaber des Films oft einig sind: Ein filmisches Meisterwerk sei es vielleicht nicht, eher ein Film mit Schwächen. Aber man könne verdammt viel lachen.

Im Forum der Rue 89 fordert ein Leser, die 106 Minuten des Films einfach zu genießen und mit dem Denken aufzuhören. Vielen Franzosen ist dies scheinbar gelungen. Aber ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, geht es wohl noch nicht.

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